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Grenzen der Anstalt

Grenzen der Anstalt

Psychiatrie und Gesellschaft in Deutschland 1860-1980

Göttingen: Wallstein Verlag, 2010. (551 S. € 46,00)

Cornelia Brink

Im 19. Jahrhundert etablierten sich Irrenanstalten als Orte der Verwahrung für psychisch Kranke und werden seitdem gefürchtet. Die Kritik an der Anstalt ist so alt wie die Institution selbst, Psychiatriegeschichte ist daher ohne die Geschichte der Psychiatriekritik nicht zu schreiben.
Trotz unübersehbarer Probleme und wiederkehrender öffentlicher Kontroversen blieb die Anstalt lange Zeit die zentrale Einrichtung für die Behandlung und Kontrolle psychischer Abweichungen. Erst in den 1970er Jahren wurden grundlegende Reformen durchgeführt.
Was waren die Bedingungen für diese Reformen? Auf welche Änderungen zielten sie? Welche Kontinuitäten lassen sich feststellen?
Cornelia Brink untersucht die Psychiatrie als Teil des Ordnungsgefüges einer Gesellschaft. Ihr Fokus liegt dabei auf der Schwelle zwischen Psychiatrie und Außenwelt, die dem Drinnen und dem Draußen angehört: ein Ort von medizinischer und sozialer Relevanz, von rechtlichen Regelungen und hoher symbolischer Bedeutung.


Inhalt

1. An der Schwelle zur Anstalt. Einführende Überlegungen zu einer Gesellschafts- und Kulturgeschichte der Psychiatrie
1.1 Irrenanstalten, Heil- und Pflegeanstalten, psychiatrische Kliniken
1.2 Wahnsinn, Irrsinn, Geisteskrankheit, psychische Krankheit: Begriff und Gegenstand
1.3 Untersuchungszeitraum, Fokus, Quellen und Methode
1.4 Geschichtsschreibung der Psychiatrie als Gesellschaftsund Kulturgeschichte

2. Die Etablierung der geschlossenen Anstalt (1850-1868)
2.1 »Die Mutter im Irrenhaus«: frühe Irrenhausskandale
2.2 Irre, Irrenanstalten und Irrenärzte zwischen Medizin, Recht und Polizei
2.3 Die Entscheidung für die geschlossene Irrenanstalt
2.4 Die Psychiatrie geht an die Öffentlichkeit: Irrenärzte und das »Publicum«

3. Die erste »Crisis der öffentlichen Irrenfürsorge«

4. Die »Irrenfrage« zwischen Psychiatrie und Recht (1885-1923)
4.1 Anstaltsboom im Kaiserreich
4.2 Recht, Psychiatrie und Polizei
4.3 »Zustand der Rechtlosigkeit«: Die Irrenrechtsreformbewegung

5. Risse in der Wand: Irrenbroschüren für die Öffentlichkeit
5.1 Selbstnormalisierung durch Abgrenzung: Die Irren sind immer die Anderen
5.2 Normalität und Normabweichung: Antworten von Psychiatern

6. Die zweite Krise der Psychiatrie

7. »Durch Wissenschaft zur Wirtschaft«: Die Ökonomisierung der Irrenfürsorge in den Krisenjahren der Weimarer Republik
7.1 Sparverordnungen von »außen«: Die Gutachten des Reichssparkommissars
7.2 Sparvorschläge von Psychiatern
7.3 Polizeirecht und Anstaltspsychiatrie
7.4 Zur Lage der Heil- und Pflegeanstalten am Ende der Weimarer Republik

8. »Transportkranke« und andere Patienten: Anstaltspsychiatrie und Krankenmord im Nationalsozialismus
8.1 Wege in die Anstalt. Verwaltungs-, Straf- und Zivilrecht
8.2 Verlegen und Sparen (1933-1939)
8.3 Wege in den Tod I : Die Aktion T4 (1940-1941)
8.4 Wege in den Tod II : Anstaltspsychiatrie und regionale »Euthanasie« (1943-1945)
8.5 Ein öffentliches Geheimnis

9. Die Radikalisierung von Einschluss und Ausschluss aus der psychiatrischen Versorgung (i93i/3Z-1945)

10. Nachkrieg in der Psychiatrie

11. Anstaltsunterbringung in der Bundesrepublik: Rechtsnorm und Rechtspraxis (1949-1969)
11.1 Die Psychiatrie auf der Anklagebank: Der Fall Corten und die Schlangengruben (1950)
11.2 Von den Unterbringungsgesetzen der Länder zu den Psychisch-Kranken-Gesetzen
11.3 Rechtsreformen

12. »Von Türen, die sich öffnen«. Psychiatriekritik und Psychiatriereform (1969-1975/79)
12.1 Die Reform vor der Reform
12.2 Psychiatrie und Öffentlichkeit
12.3 Der Weg zur Psychiatrie-Enquete

13. Die dritte Krise der Psychiatrie und die Öffnung der Anstalten
13.1 An der Schwelle der Anstalt 480 13.2 Bedingungen der Psychiatriereform

14. Kein Schluss

Dank
Abkürzungen
Quellen und Literatur



Cornelia Brink, geb. 1961, Historikerin am Historischen Seminar der Universität Freiburg. Veröffentlichungen: Ikonen der Vernichtung, Öffentlicher Gebrauch von Fotografien aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern nach 1945 (1998), Auschwitz in der Paulskirche. Erinnerungspolitik in Fotoausstellungen der sechziger Jahre (2000).


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