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Psychoanalyse

Die Wunderwelt, durch die ich schwebte

Literarische Träume

Manfred Chobot / Dieter Bandhauer (Hg.)

Wien: Sonderzahl, september 2011.

»Ich träumte, also bin ich, dachte ich und begann, meinen Körper zu fühlen«, stellte August Strindberg, gerade aus einem Fiebertraum erwacht, fest. Die Fähigkeit der Menschen, zu träumen und diese Träume zu erzählen und zu literarischen Texten zu formieren, ist wohl immer auch Ausdruck, sich nicht mit der bloßen Realität abzufinden. Egal ob Alb- oder Wunschträume – sie entführen uns in eine Wunderwelt, die wir manchmal vergessen, aber immer wieder aufs Neue aufsuchen.

Ein Traum folgt aus dem anderen und geht dem nächsten voraus. Nach dem Prinzip thematischer Überleitungen wurden mehr als 100 Träume in Die Wunderwelt durch die ich schwebte (der Titel ist einem Gedicht von Robert Walser entlehnt) versammelt. Erschienen den Herausgebern in einem Traumtext von Barbara Frischmuth die Begriffe ›Gurkenglas‹ und ›Haie‹ besonders charakteristisch und in einem Ausschnitt aus Ingeborg Bachmanns Malina ›Haie‹ und ›Friedhof‹ und in einem Text von Franz Kafka ›Friedhof‹ und ›Buchstabe‹, ergab sich die Aneinanderreihung dieser Texte nahezu logisch. So mäandert dieses Traumbuch durch die Zeiten und Literaturen von Nestroy zu Artmann, von Kurt Tucholsky zu Christa Wolf, von Margret Kreidl zu Peter Rossegger, von Prosa zur Lyrik, von Tagebuchnotiz zu Romanausschnitt …

Träume, die gerne auf Schäume gereimt und etymologisch von Trugbild hergeleitet werden, bleiben – egal wie erhellend sie gedeutet werden können – immer auch rätselhaft. Das Rätsel der Träume soll mit dieser Wunderwelt nicht (auf)gelöst, sondern in ihrer schönen Rätselhaftigkeit anschaulich gemacht werden.

Der Transformationsvorgang vom Traum zur Literatur ist keine Einbahnstraße – gibt es doch die Verwandlung auch in die entgegengesetzte Richtung: nämlich dass Literatur Einzug in Träume findet. Vielleicht kann dieses Buch, den Leser, die Leserin zu noch literarischeren Träumen inspirieren, als es unsere eigenen Träume ohnehin schon sind.

--> Sonderzahl


Manfred Chobot, geb. 1947 in Wien, freier Schriftsteller.
Bei Sonderzahl bereits erschienen: Aloha! Briefe aus Hawaii (2008); Der Tag beginnt in der Nacht. Eine Erzählung in Träumen (2011)

Dieter Bandhauer, geb. 1957 in Wien, Verleger.



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